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Emotion, Logik und Intuition

Jürgen Kanz
Herausgegeben von in Denkimpulse ·
Tags: EmotionLogikIntuitionTOCTheoryofConstraints
Eine kürzlich durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung [1] hat erneut bewiesen, dass Entscheidungen im Management zu ca. 92% aus dem Bauch heraus, also intuitiv, getroffen werden. Für Privatpersonen dürfte sich diese Zahl der 100% Marke nähern.

Untersucht man die einschlägige Literatur nach Hilfen für eigene Entscheidungen, dann lässt sich grob ermitteln, dass ca. 50% der Ratgeber PRO Intuition und ebenso 50% CONTRA Intuition argumentieren.

Die Frage ist daher, können wir unserem Bauchgefühl trauen?

Der Erfinder der TOC – Theory of Constraints, Eli Goldratt, hat Lebenslang das klare Denken propagiert. Für ihn besteht klares Denken aus den Komponenten Emotion, Intuition und Logik. Insbesondere die Logik wie sie in den harten Wissenschaften wie Physik, Chemie, Mathematik, usw.  angewendet wird, ist ein wesentlicher Bestandteil der TOC-Denkprozesse, wie sie für Argumentationen, Konfliktlösungen und allgemein in Veränderungsprozessen eingesetzt werden. In seinem Buch „The Choice“ [2] im Kapitel 18 hat er den Zusammenhang zwischen diesen Komponenten eindrucksvoll beschrieben:

„Wenn wir klares Denken üben, widmen wir nicht jedem Thema die gleiche Aufmerksamkeit; wir neigen dazu, uns auf unsere Interessengebiete zu konzentrieren. Nehmen wir nun an, wir nutzen die Intuition, die wir in diesen Bereichen haben, um die Logik zu fördern. Je mehr es uns gelingt, klar zu denken, desto tiefer werden unsere Emotionen in diesen Bereichen. Je tiefer die Emotionen, desto stärker ist die daraus resultierende Intuition. Je stärker die Intuition ist, desto höher sind die Chancen, die Logik erfolgreich anzuwenden, und desto höher sind die Chancen, gute Ergebnisse zu erzielen. Und da diese Ergebnisse in unseren Interessenbereichen erzielt wurden, sind sie in unseren Augen von Bedeutung. Je bedeutungsvoller die Ergebnisse sind, desto tiefer sind die Emotionen und so weiter und so fort.“
(Übersetzung: Jürgen Kanz)

Dieser Zusammenhang lässt sich grafisch wie folgt darstellen:


adaptiert von Rami Goldratt [3]

Es ist unbestritten, dass Emotionen und Intuitionen dem Denken im System 1 nach Daniel Kahneman angehören [4]. Während das Logik basierte Denken im rationalen System 2 stattfindet.

In dem von Goldratt beschriebenen Modell sind somit zwei Denksysteme involviert. Was aus Sicht des Autors sehr gut ist, denn von kognitiven Verzerrungen und logischen Trugschlüssen kann sich niemand freisprechen. Die von Goldratt vorgeschlagenen „Kategorien legitimer Vorbehalte“ bieten bereits eine hervorragende Möglichkeit die eigene Logik oder die einer Gruppe zu hinterfragen und Unzulänglichkeiten bzw. Fehler zu vermeiden. Die Kenntnis und Inbetrachtziehung typischer kognitiver Verzerrungen und logischer Trugschlüsse verfeinern das Bild.

Daraus wird deutlich, dass klares Denken Zeit benötigt, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Daniel Kahneman führt ergänzend drei Hinweise auf, die eine Hilfe darstellen können, ob man den eigenen Intuitionen trauen kann.

Unsere Intuition ist sehr oft richtig, wenn…

1. ...die Umgebung sich nicht oder nur langsam ändert. Komplexe adaptive Systeme sind schlechte Orte, um Intuition zu entwickeln, UND…
2. …wir über eine große Stichprobengröße ähnlicher Situationen verfügen, d.h. wir haben viel Erfahrung, UND…
3. …wir erhalten ein sofortige und genaue Rückmeldungen.

Das zuvor beschriebene als Logik-Baum:

In einem Interview sagte Kahneman unlängst [5]:

„Wir sollten unseren Intuitionen vertrauen, denn häufig haben wir gar keine andere Wahl als dies zu tun, weil es meistens an der Zeit fehlt etwas anderes zu machen.“
(freie Übersetzung durch Jürgen Kanz)

Was bedeutet, dass wir im Tagesgeschäft überwiegend aus dem Bauch heraus entscheiden, anstatt unsere Logik (Denken im System 2), also klares Denken, zur Anwendung bringen. Von daher dürfen Entscheidungsträger auch nicht überrascht sein, wenn unbeabsichtigte Konsequenzen die Folge ihrer Entscheidungen sind.

Haben Sie Fragen, Anmerkungen oder Kommentare zu diesem Beitrag? Dann senden Sie mir bitte eine Email. Ich freue mich auf Ihre Nachricht.

Quellen:
[1] „Verbreitung und Akzeptanz von Bauchentscheidungen im Management“, Barbara Krumay, David Rückel, Philipp Wicke, Stefan Koch, https://link.springer.com/content/pdf/10.1365%2Fs40702-018-0435-5.pdf, letzter Zugriff am 05.01.2019
[2] "The Choice", von Eliyahu M. Goldratt und Efrat Goldratt-Ashlag, letzter Zugriff am 05.01.2019
[3] "TOC and Breakthrough Thinking", Rami Goldratt, https://vimeo.com/304494329, letzter Zugriff am 05.01.2019
[4] "Schnelles Denken, langsames Denken", Daniel Kahneman, letzter Zugriff am 05.01.2019
[5] "Big data, intuition, and decision-making in finance", Santa Fe Institute, https://youtu.be/QSCbnS1yCzI, letzter Zugriff am 05.01.2019


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